Weißt Du noch oder lernst Du schon?

In unserer Kindheit passieren Lernprozesse beinahe automatisch – wir fassen auf die heiße Herdplatte und lernen, dass man heiße Herdplatten nicht anfassen sollte. Wir schnappen Worte auf und lernen zu sprechen. Wir adaptieren Mimiken und Gestiken unserer Bezugspersonen und lachen über Witze, die wir noch gar nicht verstehen.

Doch je älter wir werden, desto bewusster lernen wir: Mathe, Englisch, Autofahren… Lernen wird zu einer aktiven Entscheidung – das viel zitierte “Growth Mindset” beeinflusst, ob wir überhaupt lernen wollen. Dabei ist das Streben nach Weiterentwicklung in einer sich stetig wandelnden Welt essentiell. Menschen, die offen für Neues sind, haben es im Leben – beruflich wie auch privat – oft leichter, als diejenigen, die sich stets auf ihr vorhandenes Wissen berufen.

Doch wie wird man vom Wissenden zum Lernenden? Diese einfachen Mind Hacks helfen, Dein Growth Mindset in Bewegung zu halten:

1. Mache etwas zum ersten Mal

Und dabei ist erstmal ganz egal was! Die Hirnforschung hat gezeigt, dass neue Erlebnisse und Aktivitäten das Gedächtnis unterstützen, Lernen fördern und uns sogar glücklich machen. Denn wenn wir etwas Neues ausprobieren, werden im Gehirn dieselben Regionen aktiviert, die zum Beispiel für unser Belohnungssystem zuständig sind. Dabei musst Du nicht gleich das Rad neu erfinden – schon kleine Veränderungen oder neue Impulse reichen aus, um Deinen Horizont zu erweitern:

  • Verändere Deine Morgenroutine, zum Beispiel durch eine kleine Meditation
  • Probiere ein neues Rezept aus
  • Besuche einen Ort in Deiner Nähe, der normalerweise nicht auf Deinem Radar wäre
  • Gestalte Deinen Arbeitsplatz um
  • Suche nach neuen Websites, Büchern, Artikeln, die Deine eigene Perspektive herausfordern
  • Hinterfrage Deine Problemlösestrategie und begegne einer neuen Herausforderung anders, als Du es intuitiv tun würdest

2. Denke wie ein Anfänger

Der größte Feind des Lernens ist das, was Du bereits weißt. Dein Gehirn beantwortet unterbewusst Fragen, noch bevor Du sie Dir stellst. Das macht grundsätzlich auch Sinn, denn damit nimmt Dir Dein Unterbewusstsein einen Großteil der etwa 20.000 Entscheidungen ab, die wir täglich treffen. Stelle Dir zum Beispiel vor, Du müsstest jeden Tag aktiv entscheiden, ob Du mit dem linken oder rechten Fuß zuerst aufstehst, ob Du als erstes ins Bad oder doch gleich zur Arbeit gehst oder ob Du an der grünen Ampel wartest oder die Straße überquerst.

Viele unserer Verhaltensweisen beruhen auf Erfahrungen und Routinen und belasten die Kapazität unseres Bewusstseins nicht weiter. Wenn es allerdings darum geht, Neues zu lernen, ist unser Autopilot eher hinderlich. Denn Dein bestehendes (Erfahrungs)wissen stellt sich gerne wie ein Türsteher vor Dein Bewusstsein und verwehrt Perspektiven den Einlass, die Deinen gewohnten Denkmustern widersprechen. Und das ist schade – schließlich ist die Auseinandersetzung mit neuen Themen oder fremden Meinungen ein wichtiger Treiber für Wachstum und Weiterentwicklung.

Versuche deshalb, so unvoreingenommen wie möglich an eine neue Sache heranzugehen und konzentriere Dich auf die Fakten, anstatt Deine Wahrnehmung auf bereits vorhandenem Wissen oder Annahmen zu basieren. 

Es ist keine Schande nichts zu wissen, wohl aber, nichts lernen zu wollen.

– Platon

3. Drehe Deine Annahmen um

Ob wir es merken oder nicht – in die meisten Situationen gehen wir mit einer Reihe von Annahmen in unserem Kopf. Und wir wissen alle, was passiert, wenn man seine Haltung auf Vermutungen stützt. Mache Dir also im ersten Schritt bewusst, was Deine Annahmen sind und versuche dann, sie umzudrehen: Was wäre, wenn das Gegenteil von dem was Du denkst eintreten würde? Wie würde das die Situation beeinflussen?

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein großer Getränkehersteller machte sich Sorgen über den Absatzeinbruch seiner Kernprodukte, die sich an eine Zielgruppe unter 30 richten. Das Produktteam arbeitete mit mehreren Annahmen: Zum einen ist die Marke in den Herzen und Köpfen der jungen Erwachsenen verankert. Zum anderen würde eine Änderung des Namens die Marke zerstören.

Wir baten das Team, seine Annahmen umzudrehen: Was wäre, wenn der Produktname gar keine Rolle spielen würde? Was, wenn der Name der Marke sogar eher schadet als hilft? Unser Gedankenspiel stieß zunächst auf Ablehnung. Dann aber führte das Team einige Marktforschungen durch und stellte fest, dass viele Mitglieder der Zielgruppe den Namen tatsächlich negativ wahrnahmen. Der Kunde entschied sich für einen neuen Namen und – Du ahnst es – der Umsatz stieg wieder an.  

4. Verhalte Dich wie ein Detektiv

Oder ein Reporter. Oder ein Wissenschaftler – Was auch immer Dir hilft, Dich in die Lage zu versetzen, Menschen und Situationen mit äußerster Neugierde zu begegnen, Fragen zu stellen und nachzuforschen.

In ihrem Buch “Rookie Smarts” sagt Liz Wiseman: „Wenn es zu viel zu wissen gibt, kann es wichtiger sein, die richtigen Fragen zu stellen als eine fertige Antwort zu haben.“
Bevor Du also ein Problem löst oder eine Entscheidung triffst, stelle mindestens 10 offene Fragen, die Dir helfen, weitere Teile des Puzzles zu erfassen.

Abgesehen davon, dass sie Raum für Antworten schaffen, können Fragen unmittelbar Deine Aufmerksamkeit lenken und Deinen Aktionismus bremsen, für den es vielleicht noch zu früh ist.

Wissende suchen nach dem, was sie bereits wissen und fokussieren ihre Energie darauf, ihre Wissenslücken zu füllen. Lernende sind bereit, sich überraschen zu lassen und gehen unvoreingenommen und neugierig an die Sache heran – und das bringt in vielen Fällen die vollständigere Antwort.

5. Reflektiere Deine Learnings

Nimm Dir 10 ruhige Minuten Zeit, um Deinen Tag zu reflektieren:

  • Wie produktiv war ich heute? Habe ich geschafft, was ich mir vorgenommen habe?
  • Haben mich zwischenmenschliche Herausforderungen belastet?
  • Bin ich bei der Entwicklung von Ideen oder Lösungen vor eine Wand gelaufen?
  • Was mache ich morgen anders?

So schaffst Du in 10 Minuten die Basis für einen besseren Lernerfolg am nächsten Tag.

 

Auf geht’s! Folge Deiner Neugierde, lasse frischen Wind in Dein Leben und sei offen für das, was Du noch nicht weißt! Du benötigst Hilfe beim Umdenken? Wir unterstützen Dich gern!